Kommunale Alkoholprävention in Sande

Die Gemeinde handelt

Die Tätigkeiten des Akionskreises "Runder Tisch" beinhalten neben der Intensivierung der dezentralen Jugendarbeit die Umsetzung jugendrelevanter Themen, wobei die Präventionsarbeit zur Thematik des „Alkohol- und Drogenkonsums bei Kindern und Jugendlichen eine hohe Priorität genießt. Unterschiedlichste Veranstaltungen haben auf informative, aufklärende und aktionsreiche Art dazu beigetragen, eine allgemeine Sensibilisierung zu diesem Themenkomplex herzustellen.

Es ist unbestritten, dass Alkohol- und Drogenkonsum bei Kindern und Jugendlichen verbreitet ist, wobei leider festgestellt werden muss, dass auch immer Jüngere durch Alkohol- und Drogenkonsum auffällig werden. Durch den "Runder Tisch" ist bereits erreicht worden, dass

  • in entsprechenden Informationsveranstaltungen auf die Gefahren des Alkohol- und Drogenkonsums hingewiesen wurde,
  • anlässlich des letztjährigen Weihnachtsmarktes die diesbezüglichen Bestimmungen im Jugendschutzgesetz beachtet wurden,
  • Gewerbetreibende auf die Verkaufsbeschränkungen nach dem Jugendschutzgesetz hingewiesen wurden.

Weitere Aktionen und Veranstaltungen sind in Planung, wobei eine entsprechende Zusammenarbeit mit den Fachstellen (Landkreis, Polizei, Schulen kommunale Jugendarbeit etc.), aber auch mit den örtlichen Vereinen, Gruppierungen und Verkaufstellen erstrebt wird, um gemeinsam dem fortschreitenden Alkohol- und Drogenkonsum entgegen treten zu können. In diesem Zusammenhang war es im Interesse einer erfolgreichen Präventionsarbeit unabdingbar notwendig, ein Leitbild zur kommunalen Alkoholprävention in der Gemeinde Sande zu erstellen. Um das Ziel einer nachhaltigen Alkoholprävention zu erreichen, sind unterschiedliche Maßnahmen erforderlich. Eine entsprechende Umsetzung der im Leitbild enthaltenden Ziele trägt dazu bei, dass dieser Fehlentwicklung im Konsumverhalten Einhalt geboten wird.
Die Gemeinde Sande wird in diesem Zusammenhang eine Vorbildfunktion einnehmen und kann als Impulsgeber zu einer Bewusstseinsschärfung in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt bei den Sorgeberechtigten der Kinder und Jugendlichen beitragen.

Nach vorheriger Beratung im zuständigen Fachausschuss wurde das Leitbild vom Verwaltungsausschuss am 08.03.2007 verabschiedet.
   


Leitbild Kommunale Alkoholprävention in Sande

Die Gemeinde handelt

 

Kommunale Alkoholprävention basiert im Wesentlichen auf Einschränkung der Erhältlichkeit und Beeinflussung der Nachfrage. Hierfür benötigt Präventionsarbeit unbedingt Rückhalt von allen Verantwortlichen in der Gemeinde Sande.
 

Der erste Schritt:

  • Einbindung aller thematisch relevanter Einrichtungen und Zielgruppen auf örtlicher Ebene (Schule, Jugendarbeit, Polizei, Verwaltung, Politik, Eltern, Vereine, Gewerbe, Jugendvertretung, Kindergärten, u.s.w.)
  • Kompetenzsteigerung und Sensibilisierung bei allen Verantwortlichen

Mittelfristige Ziele:

  • Reduzierung des Alkoholangebotes für Kinder und Jugendliche in Sande
  • Verhinderung der Abgabe alkoholhaltiger Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 J. bzw. 18 J.
  • Nachfrageverkleinerung durch Maßnahmen der Suchtprävention


Eckpunkte eines Leitbildes zur Alkoholprävention in der Gemeinde Sande

Feste

  • (Sander Markt, Besenwerfen, Weihnachtsmärkte, Schützenfeste …)
  • Bewilligungspraxis verschärfen
  • Kontrollen von Jugendschutzbestimmungen (Jugendamt, Polizei, Ordnungsamt)
  • Personalschulung
  • Einschränkung des Alkoholangebotes
  • Bei Verstößen: Einschränkung der kommunalen Förderung

Vereine und sonstige Organisationen (bei Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche)

  • Kontrollen von Jugendschutzbestimmungen (Jugendamt, Polizei, Ordnungsamt)
  • Bewilligungspraxis verschärfen (keinen Alkoholausschank)
  • Betreuerschulung
  • Bei Verstößen: Einschränkung der kommunalen Förderung
   
Verkaufsstellen

  • Personalinfo
  • Kontrolle von Jugendschutzbestimmungen (Jugendamt, Polizei, Ordnungsamt)
  • Freiwillige Werbeeinschränkungen
  • Testkäufe
   
Gaststätten, Discotheken

  • Kontrolle von Jugendschutzbestimmungen (Jugendamt, Polizei, Ordnungsamt)
  • Freiwillige Werbeeinschränkungen
  • Kodex für Betreiber / Personal
  • Testkäufe

Öffentlichkeit + Information

  • Sensibilisierung durch ein kommunales Leitbild zum Thema „Alkoholprävention“
  • Aktionen, Angebote zum Thema
  • Medienarbeit (Presse, Internet z.B. Homepage der Gemeinde Sande, Homepage des Jugendzentrums, Homepage von Vereinen und sonstigen Organisationen …)

Preisvergabe an Vereine oder sonstige Organisationen der Kinder und Jugendarbeit, die Angebote und Aktionen zum Thema Prävention durchgeführt haben (jährlich)



Jung und besoffen - oder warum es für die MitarbeiterInnen des Jugendzentrums / der dezentralen Jugendarbeit so schwierig ist, nachhaltige Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen zu betreiben.

1. Gründe, die eine erfolgreiche Alkoholprävention verhindern
(sicherlich unvollständig)

  • Niedriges gesetzliches „Einstiegsalter“ (16 bzw. 18 J.)
  • Es gibt keine einheitliche Gesetzgebung für alle Suchtmittel (Alkohol fällt unter das Lebensmittelgesetz!)
  • Es gibt keine Preisbindung – daher Billigangebote
  • Die Gesellschaft verdient am Alkoholverkauf
  • Das Jugendschutzgesetz wird nicht konsequent durchgesetzt, Strafen zu gering
  • Jugendschutz richtete sich nach der Wirtschaft und nicht nach der Gesundheit
  • Zu geringe Besteuerung von Alkohol
  • Bei ständig erweiterten Ladenöffnungszeiten gibt es keine spezielle Regelung für den Alkoholverkauf
  • Alkohol ist überall in der Gesellschaft akzeptiert
  • Discos, Kneipen usw. locken mit Billigangeboten (1,- € Tag, „Entweder oder“, Saufwettbewerbe, Sponsorenparties …)
  • Die Promillegrenze im Straßenverkehr ist zu hoch
  • Es gibt kaum Einschränkungen der freien Verfügbarkeit von Alkohol (Supermärkte, Tankstellen, Kioske, Discotheken …)
  • meist zweifelhaftes Vorbildverhalten der Erwachsenen / Eltern
  • Werbung für Alkohol ist steuerlich absetzbar
  • Die Werbung spricht gezielt Jugendliche und Frauen an (Alkohol als Lifestyleprodukt und als Emanzipationsvehikel der o.g. Gruppe)
  • Trotz „keine Macht den Drogen“ wird der Sport durch Alkoholwerbung massiv gesponsert
  • Alkoholwerbung im Fernsehen machen Sportübertragungen und Filme erst recht schön
  • Lokale Events wie Sander Markt, Maifeiern, Besenwerfen, Weihnachtsmärkte … regen zum Alkoholkonsum an
  • Grundsätzlich erfolgt eine alkoholfreundliche Berichterstattung in den Medien
  • Durch den Kauf von Bierkisten werden Bolzplätze für Kinder und Jugendliche geschaffen!
  • Politiker und sonstige Honoratioren preisen zu oft den „Gerstensaft“ (Freibieranstiche, Bierproben …) in den Medien, bei Veranstaltungen
  • Warum läuft zurzeit nur eine Kampagne gegen die Raucher, obwohl die aktuelle Alkoholpolitik unsere Volkswirtschaft viel massiver schädigt?
  • Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich ständig, trotzdem ist „Tradition“ ein Argument, das Neuerungen (u.a. in der Alkoholpolitik) blockiert

2. Kommunale Alkoholpolitik - Die Gemeinde handelt
(siehe Leitbild)

3. Der erste Schritt

  • Einbindung aller thematisch relevanter Einrichtungen und Zielgruppen auf örtlicher Ebene (Schule, Jugendarbeit, Polizei, Verwaltung, Parteien, Jugendvertretung, Gewerbe, Vereine …)
  • Entwickeln eines kommunalen Leitbildes (siehe 2. „Kommunale Alkoholpolitik – die Gemeinde handelt“)
  • Kompetenzsteigerung bei allen Verantwortlichen

4. Mittelfristige Ziele

  • Reduzierung des Alkoholangebotes in der Gemeinde
  • Verhinderung der Abgabe alkoholhaltiger Getränke an Kinder und Jugendliche
  • Nachfrageverkleinerung durch umfassende Maßnahmen der Suchtprävention

5. Langfristige Ziele

  • Änderung der Alkoholpolitik in unserer Gesellschaft, weg von wirtschaftlichen Aspekten, hin zu gesundheitlichen Aspekten
    (Hier sind die Parteien als Entscheidungsträger auf kommunaler- , landes- und bundespolitischer Ebene gefragt)

6. Studienergebnisse

  • Die wichtigsten Elemente der Alkoholpolitik sind Kontrolle und Besteuerung. Die Lenkung des Alkoholkonsums über den Preis ist eines der effektivsten Mittel.Alkoholprävention basiert im Wesentlichen auf Einschränkung der Erhältlichkeit und Beeinflussung der Nachfrage, hierfür benötigt sie unbedingt Rückhalt (in der Kommune).
  • Man könnte vieles unternehmen, man muss es nur wollen! „Politik ist die Kunst, möglich zu machen, was erforderlich ist“ (V. Havel)

Jugendzentrum Sande, August 2006
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